Ich weiß, ich bin echt spät dran - schließlich erschien das Buch bei uns schon im Februar 2018. Unsere Bücherei ist allerdings immer ein bisschen spät, was neue Titel angeht. Zufälligerweise war ich vor Ort, als das Buch gerade frisch eingetroffen war und ohne zu zögern landete es in meinem Körbchen. Durch diese krasse Social Media Präsenz war ich schon länger neugierig auf den Titel, aber der Hype flaute dann auch schnell wieder ab und das Buch geriet in meine unendliche Vergessenheit - bis es mir an besagtem Tag in die Hände fiel. Mal schauen, was so dran ist, an dem für den Deutschen Jugendpreis 2019 nominierten Jugendthriller.

Der Jugendthriller One of us is lying von Karen M. McManus handelt von fünf Schülern einer High School, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Addy, die Vorzeige-Schönheit, Bronwyn, die Intelligenzbestie, Cooper, die Sportskanone, Nate, der dealende Bad Boy und Simon, der Urheber der Gossip App About That. Eines nachmittags sind alle fünf zum Nachsitzen versammelt. Für Simon endet das Nachsitzen tödlich und die Polizei ermittelt wegen Mordes, denn jeder der vier anderen Schüler hat ein Motiv...

Die Autorin lässt nicht viele Zeilen verstreichen, ehe man sich schon mitten im Geschehen wiederfindet. Der Anfang ist spannend und mitreißend, leider wird die Geschichte diesem starken Anfang nicht gerecht. Die meiste Zeit ist das Buch mehr ein High School Drama als ein Jugendthriller. Die von mir erwartete Detektivspielerei und Miträtselei blieb aus, denn schon nach einigen Seiten hatte ich mehrere Vermutungen, die sich im Laufe der Geschichte (leider) bewahrheitet haben. Natürlich habe ich der Geschichte eine Chance gegeben, mich trotzdem zu überraschen - das gelang auch, jedoch eher im negativen Sinne. Einige Beweggründe der Haupt- und auch Nebencharaktere erscheinen einfach nicht schlüssig und es gibt viele Kapitel, denen man von Beginn an anmerkt, dass sie nur dazu da sind, auf einen bestimmten Sachverhalt hinzuweisen. Diese offensichtlichen und teilweise schon sehr konstruiert wirkenden Hinweise nehmen der Spannung die Kurve. Die Geschichte endet sehr abrupt und auf eine wirklich sehr seltsame Art und Weise.

Trotzdem hat es mir persönlich Spaß gemacht, die vier Protagonisten und deren Entwicklung zu verfolgen, auch wenn diese voll mit Klischees gespickt sind. Als ich ab und zu mal ein paar Tage eine Lesepause einlegte, dachte ich mir manchmal: "Ich muss ja unbedingt noch diese Teenieserie weiter schauen, ich muss wissen, was letztendlich passiert ist." - bis mir auffiel, dass es ja gar keine Serie war, sondern ich nur ein Buch gelesen habe und sich das alles in meinem Kopf abspielte. Am meisten von den Hauptcharakteren hat es mir Addy angetan, die erst sehr unscheinbar und rückgratlos erscheint, aber dann während der Geschichte eine 180 Grad Wendung durchmacht. Generell ist es auch toll, die vier im Zusammenspiel zu sehen. Durch die Gemeinsamkeit, dass alle des Mordes verdächtigt werden, entsteht eine tolle Gruppendynamik der unterschiedlichen Persönlichkeiten. Leider hat es die Autorin nicht so gut geschafft, den Charakteren verschiedene "Stimmen" zu verleihen. Ich musste oft ein wenig zurückblättern um herauszufinden, aus Sicht von welchem Protagonisten gerade erzählt wird, da sich abgesehen von dem Umfeld, in dem sich der jeweilige Protagonist befindet, sprachlich und gedanklich nicht viel verändert.

Er steht immer noch reglos im Eingang, bis ich aufstehe, zu ihm gehe und ihn am Arm fasse. "Los, komm. Sämtliche Mitglieder des Mörder-Clubs an einem Tisch vereinigt. Geben wir ihnen was zu gaffen."

Interessant ist es aber zu erfahren, was hinter der Fassade passiert - denn natürlich ist nie etwas wie es scheint. Das Buch verspricht viele Geheimnisse, und tatsächlich hat jeder der Protagonisten sein eigenes Päckchen zu tragen. Durch die Gossip App About That leben nicht nur die vier Protagonisten, sondern jeder Schüler der Bayview High School in Angst und Bange, denn Simon hat bisher noch so jedes kleinste Geheimnis ans Licht gebracht und so manchen damit in den sozialen Ruin getrieben. Dadurch wird auch deutlich, dass Simon bei den meisten Schülern nicht gerade beliebt war. Aber auch Addy, Bronwyn, Cooper und Nate haben es nicht leicht - nach dem Tod von Simon reißen sich die Medien um die Skandalstory der "Bayview four".

Gegen Ende hin ist man fast schon erleichtert, wenn endlich der Mord aufgelöst wird. Die Auflösung geschieht ohne großen Wow-Effekt, sie ist einfach da und dann erfährt man noch, wie es den Protagonisten einige Monate nach der Auflösung ergangen ist. Ende. Ich finde das echt schade, denn meiner Meinung nach fing es sehr vielversprechend an und irgendwie habe ich die stimmlosen, klischeehaften Charaktere auch schon in mein Herz geschlossen - doch manchmal haben die vier wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.

Fazit
High School Drama mit einer kleinen Prise Detektivspielerei, dafür aber einer großen Portion Klischees. Das Ende ist leider vorhersehbar, trotzdem sind die Charaktere und die Geschichte interessant genug, um das Buch nicht wegzulegen. Wer hier mit der Erwartung auf einen super spannenden Krimi reingeht, wird enttäuscht - alle, die sonst gefallen an High School Teenie Geschichten finden, werden mit "One of us is lying" auch ihren Spaß haben.

 

One of us is lying Cover

KLAPPENTEXT
Eine Highschool, ein Toter, vier Verdächtige ...
An einem Nachmittag sind fünf Schüler in der Bayview High zum Nachsitzen versammelt. Bronwyn, das Superhirn auf dem Weg nach Yale, bricht niemals die Regeln. Klassenschönheit Addy ist die perfekte Homecoming-Queen. Nate hat seinen Ruf als Drogendealer weg. Cooper glänzt als Baseball-Spieler. Und Simon hat die berüchtigte Gossip-App der Schule unter seiner Kontrolle. Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Simon wollte am Folgetag einen Skandalpost absetzen. Im Schlaglicht: Bronwyn, Addy, Nate und Cooper. Jeder der vier hat etwas zu verbergen – und damit ein Motiv...

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