Kennt ihr diese nervigen "das Buch ist ja so viel besser als der Film!"-Menschen? Ich bin einer dieser Menschen, oft und gerne. Genau deshalb habe ich gleich nachdem ich von der Ankündigung zu der neuen Netflix Serie "Quicksand" hörte, das Buch ausgeliehen, auf dem die Serie basiert.

Der Kriminalroman Im Traum kannst du nicht lügen (Englisch: Quicksand) von Malin Persson Giolito handelt von der 18-jährigen Maria Norberg, genannt Maja, die nach einer Schießerei in der Schule als Hauptangeklagte vor Gericht steht. Gemeinsam mit ihrem Freund Sebastian soll sie die grausame Tat geplant haben. Doch Sebastian, Dennis, ihr Lehrer Christer und ihre beste Freundin Amanda sind tot. Dass Maja geschossen und getroffen hat, steht außer Frage. Eine Frage bleibt: Ist Maja wirklich schuldig?

Zu Beginn weiß man wenig über Maja und die Tat. Abwechselnd bekommt man im Laufe des Buches hautnah mit, wie die Gerichtsverhandlung mit Maja als Hauptangeklagten abläuft, wie es Maja in der Untersuchungshaft geht und wie Majas Leben vor der Tat war. So bekommt man Stück für Stück ein Bild der ganzen Situation. Am Ende setzt sich alles zusammen wie bei einem Puzzle. Dabei lässt es sich die Autorin aber nicht nehmen, zwischendurch ein paar Überraschungsmomente einzubauen. Die abwechslungsreiche Erzählweise formt einen tollen Spannungsbogen.

Der Roman wurde ausgezeichnet als "bester Kriminalroman Schwedens 2016", thematisiert neben dem Amoklauf und der Gerichtsverhandlung aber auch gesellschaftskritische Themen wie Rassismus, Beeinflussung durch Medien und die Kluft zwischen arm und reich. Maja wirkt anfangs noch sehr hart und distanziert, je mehr man aber aus ihrer Gedankenwelt und aus der Vergangenheit mitbekommt, desto mehr kann man verstehen, weshalb sich Maja so verhält. Dabei wird einem auch oft bewusst, wie jung Maja eigentlich erst ist.

Die Beziehung zwischen Maja und Sebastian fing an wie ein Traum, eskaliert dann aber recht schnell, denn Sebastian hat seine ganz eigenen Probleme. Maja fühlt sich für Sebastian verantwortlich. Zusätzlich kann sie auch dem gesellschaftlichen Druck nicht stand halten. So sinkt sie allein und hilflos immer tiefer und tiefer, wie in Treibsand - an dieser Stelle hätte der englische Titel des Romans auch deutlich besser zu dem Inhalt gepasst, als der deutsche.

"In den Nächten bin ich wie die Luft an einem Tag ohne Wind,
wenn alles still steht und nichts fliegen kann."

Als sehr toll empfand ich den Schreibstil. Majas Gedanken spielen sich so schmerzhaft ehrlich ab, wie die Gedanken eines jungen Erwachsenen eben sind. Sie erfindet Spitznamen für Menschen in ihrem Umfeld, deren Namen sie nicht kennt. Sie ist auch mal genervt von ihrer besten Freundin. Sie hat Vorurteile und sie hat Selbstmitleid. Man kann sich gut in Maja hinein versetzen. Das alles verpackt die Autorin in kurzen Sätzen und Ausdrücken, die nicht immer politisch korrekt sind - genau deshalb wirkt Maja authentisch.

Dass die Autorin Malin Persson Giolito eine Juristin ist, wird sehr deutlich. Gerade die Gerichtspassagen sind so detailliert geschildert, dass man sich fühlt, als würde man neben Maja im Gerichtssaal sitzen. Wo im Gerichtssaal alles detailliert ausgearbeitet wurde, fehlt es bei der Beziehung zwischen Maja und Sebastian ein wenig an Tiefgang. Gerade Sebastian und sein Umfeld hätten noch deutlicher beleuchtet werden können, da das ein für die Tat essenzieller Faktor war.

Die letzten Seiten habe ich richtig verschlungen. Am Ende wird zwar das Gerichtsurteil verkündet, aber die Schuldfrage bleibt offen - hier kann der Leser selbst entscheiden, was für ihn "richtig" oder "falsch" ist. Genau deshalb verfolgt einen die Geschichte auch noch über die letzte Seite hinaus. Das Buch liefert meiner Meinung nach eine tolle Vorlage für eine Serie. Ich hoffe, sie gehen in der Serie noch mehr Sebastian und seine Familie ein, ähnlich, wie es auch bei der Umsetzung von "Tote Mädchen lügen nicht" der Fall war.

Fazit
Dieses Buch ist kein typischer Krimi, sondern viel mehr als das. Es ist eine mitreißende und zum Nachdenken anregende Geschichte mit tollem Spannungsbogen. Die Autorin überzeugt mit einem authentischen Schreibstil. Man fiebert als Leser sehr mit und stellt sich bis zum Schluss und darüber hinaus die Frage: Ist Maja Täter oder Opfer?

 

Quicksand: Im Traum kannst du nicht lügen Cover

KLAPPENTEXT
Stockholm: Nach einem Blutbad an einem Gymnasium steht die achtzehnjährige Maja vor Gericht. Sie hat geschossen, und unter den Toten sind ihre beste Freundin Amanda, ihr Freund Sebastian und der Lehrer Christer. Wie konnte es dazu kommen, dass dieses einstmals so beliebte Mädchen zur meistgehassten Person Schwedens wurde? Und ist sie überhaupt eine Mörderin?

Leseprobe

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