Mediengestalter Dokumentation
Aufbau, Inhalt, Gestaltung

Die Mediengestalter Dokumentation – das Herzstück einer jeden Abschlussprüfung der Mediengestalter Ausbildung! Wenn man es richtig macht kann man damit nicht nur die Prüfer, sondern in Bewerbungsverfahren auch zukünftige Arbeitgeber beeindrucken. Dafür sollte man das Wissen zusammennehmen, das man sich in den letzten drei Jahren der Ausbildung angeeignet hat. In diesem Blogartikel gibt es Informationen und wichtige Tipps was den Inhalt, den Aufbau und die Gestaltung der Mediengestalter Dokumentation angeht, damit du bestens vorbereitet bist.

An dieser Stelle danke ich meinen Lehrern in der Berufsschule, die sich die Zeit für mich und meine Fragen zur Dokumentation genommen haben. Ohne sie gäbe es diesen Artikel nicht und meine Dokumentation wäre nur halb so gut geworden. 😌

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am: 20.05.2021

Ablauf der praktischen Prüfung

Der Ablauf bzw. die Struktur der Mediengestalter Abschlussprüfung kann auf der Webseite der ZFA Medien eingesehen werden. Es gibt einen praktischen und einen schriftlichen Teil. In meinem Blogartikel mit 10 Lerntipps für die Mediengestalter Abschlussprüfung habe ich schon alles zum schriftlichen Teil gesagt, deshalb konzentrieren wir uns in diesem Blogartikel auf die praktische Prüfung und noch spezifischer sogar auf die Dokumentation, die im Laufe dieser Prüfungsphase erstellt werden soll.

Struktur der praktischen Abschlussprüfung, Gestaltung und Technik

Prüfungsstück I
Teil a) Lösungsvorschlag, zu erstellen in der Konzeptionsphase von 10 Arbeitstagen
Teil b) Technische Realisation, zu erstellen am Prüfungstag innerhalb von 7 Stunden

Prüfungsstück II
W3-Qualifikation, zu erstellen am Prüfungstag innerhalb von 2 Stunden

Quelle: ZFA Medien

Die Erstellung der Dokumentation fällt in die Konzeptionsphase der Mediengestalter Abschlussprüfung, für die man 10 Arbeitstage Zeit hat. In dieser Zeit muss hauptsächlich der sogenannte "Lösungsvorschlag", also das eigentliche Design erstellt werden. Bei der Fachrichtung Digital ist es meist eine Webseite und bei Print etwas in Richtung Flyer oder Broschüre. Steht der Lösungsvorschlag, muss innerhalb von diesen 10 Arbeitstagen noch die Dokumentation erstellt werden, um die sich dieser Blogartikel dreht.

Die Dokumentation ist laut Begriffsdefinition die "schriftliche Erläuterung, um den Aufbau des Layouts, Farben, Typografie, Bilder und grafischen Gestaltungselementen zu begründen". Der Text sollte insgesamt zwei DIN-A4-Seiten nicht überschreiten, was bei mir jetzt ungefähr 900 - 1000 Wörter waren. Klingt jetzt eigentlich erstmal nicht so wild, da schreibt man schnell zwei Seiten zusammen und hat die Dokumentation abgehakt. So einfach kann man es sich natürlich auch machen, nur würde die Bewertung dementsprechend auch ausfallen. Wonach bei dieser Dokumentation eher gefragt wird, ist tatsächlich eine Art Style Guide für das erstellte Design. Und hier muss dann eben nicht nur der Text passen, sondern auch insgesamt die grafische Gestaltung.

Mediengestalter Abschlussprüfung Dokumentation

Mediengestalter Dokumentation Aufbau

Für den Inhalt der Dokumentation sollte eine passende Gliederung gewählt werden. Die folgenden Themenvorschläge sollten nicht als strikte Vorlage gesehen werden – viel mehr sollte man die Aufgabenstellung des Lösungsvorschlags individuell betrachten und beurteilen. Vielleicht sind bei der Erläuterung noch mehr Punkte nötig oder es können Punkte weggelassen werden. So oder so sorgt eine passende Gliederung für die nötige Struktur, was auch dem Design zugute kommt. Punkte, die auf jeden Fall in der Dokumentation erläutert werden sollen, finden sich aber auch in der Aufgabenstellung der Prüfung.

Ein beispielhafter Aufbau für eine Mediengestalter Dokumentation, Fachrichtung Gestaltung & Technik, Digital:

  1. Briefing
  2. Aufbau des Onepagers
  3. Usability
  4. Navigationsstruktur
  1. Farbe
  2. Typografie
  3. Bilder
  4. Grafische Gestaltungselemente
  1. Fazit
  2. Arbeitsplanung

Briefing / Projektbeschreibung

Bevor man sein Design präsentiert und eine Gestaltungsbegründung liefert, sollte eine allgemeine Projektbeschreibung mit Zielsetzung vorangehen. Hier kann die Aufgabenstellung der Prüfung kurz in eigenen Worten wiedergegeben werden.

Erklärungen zur Gestaltung

Auf diesem Teil sollte der Fokus liegen. Es bietet sich an, schonmal ein paar Stichpunkte zum Design zusammenzutragen und diese wiederum aufzugliedern. Es gibt einige Punkte die aufgegriffen werden können – egal ob man Fachrichtung Digital oder Print ist. Zu diesen Punkten gehören:

  • Farben: Wirkung, Kontrast/Harmonie, Stimmung
  • Typografie: Schriftarten, Schriftcharakter, Lesbarkeit, Kombination von Schriften, Auszeichnungen
  • Bilder: Bildauswahl, Bildausschnitt, Modifikationen
  • Grafische Gestaltungselemente: Icons, Illustrationen

Abgesehen von den allgemeinen Punkten kann man spezifisch für die jeweilige Fachrichtung auch noch weitere Themen aufgreifen. Das wären für die jeweilige Fachrichtung zum Beispiel folgende Dinge:

  • Digital: Aufbau des Onepagers, Navigationsstruktur, Usability, Responsive Design
  • Print: Format, Satzspiegel, Gestaltungsraster, Material des Druckerzeugnisses

Resümee / Fazit

In kurzen Sätzen kann hier das Design zusammengefasst werden aufgegriffen werden, inwiefern die Aufgabenstellung durch das erstellte Design erfüllt wurde und die Zielgruppe erreicht wurde. Ein Beispielsatz könnte so aussehen: "Mit der modernen und dynamischen Gestaltung des Onepagers wird die junge Zielgruppe optimal angesprochen."

Arbeitsplanung

Die Arbeitsplanung ist eine Anforderung der Prüfung und kann einfach der Dokumentation hinzugefügt werden. Gemeint ist damit eine tabellarische Abbildung der Planung für die Umsetzung, also wie man die 7 Stunden der technischen Realisation des Lösungsvorschlags nutzen will. Außerdem sollten hier auch die verwendete Hard- und Software und die verwendeten Programme genannt werden.

Beispielhafter tabellarischer Aufbau der Arbeitsplanung
Fachrichtung Gestaltung und Technik, Digital

Einrichtung der Entwicklungsumgebung 0h 30m
Exportieren der Assets 0h 30m
Erstellung des HTML Grundgerüsts 1h 30m
Recherche und Einbau der Skripte 1h 00m
Styling via CSS 2h 30m
Viewport Optimierung und Testing 1h 00m
Gesamt 7h 00m

 

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Dokumentation schreiben – Wie formuliere ich richtig?

Nachdem ein passender Aufbau gefunden wurde, kann es an die Erstellung des Textes gehen. Der Text wird die Grundlage der Dokumentation darstellen und die nötigen Gestaltungsbegründungen für den erstellten Lösungsvorschlag liefern. Wenn die Begründungen in der Mediengestalter Dokumentation schlüssig formuliert sind, können sie das Design unterstützen und die Besonderheiten hervorheben. Für eine rundum schöne Formulierung des Textes und somit die bestmögliche Lesbarkeit gibt es drei Stichworte als Hilfestellung: Simpel, positiv, einheitlich.

Simpel formulieren

Da man in dem Text auf viele Punkte eingehen muss (gewählte Farben, Typografie, Layout, Bildmaterial, ...) ist es wichtig, präzise zu formulieren und auf den Punkt zu kommen, um alle wichtigen Gestaltungsentscheidungen innerhalb der zwei DIN-A4-Seiten unterzubringen. Dabei muss man die Sätze nicht unnötig verkomplizieren und verschachteln um schlau zu klingen – hier gilt, wie beim Design auch: Keep it short and simple.

Beispiel: Die Farbe Gelb wurde gewählt, da sie die Wärme und Kreativität des Unternehmens besonders hervorhebt.

Simpler formuliert: Der gewählte Gelbton unterstreicht die Wärme und Kreativität des Unternehmens.

Positiv formulieren

Eine Sache sollte beim Schreiben auch immer im Kopf sein: Positiv formulieren! Hierbei sollte auf zwei Sachen explizit geachtet werden. Zum einen ist es die Wortwahl. "Die Farbe Gelb sticht sofort ins Auge" ist zwar eine gängige, aber nicht besonders schöne Formulierung. Oder möchtest du dir gerne vorstellen, wie dir eine Farbe ins Auge sticht? Ich glaube, ich habe in meiner Dokumentation sämtliche Synonyme von "hervorheben" verwendet, die ich in den Tiefen des Internets gefunden habe. Die deutsche Sprache liefert genug Wörter, um Designentscheidungen positiv zu begründen, ohne, dass man auf negative Formulierungen zurückgreifen muss.

Zum anderen sollte man Wörter wie "aber, schwierig, versuchen, trotzdem, nicht" meiden. Sobald man solche Formulierungen nutzt, wirkt es für den Leser so, als sei sich der Designer seiner Sache nicht sicher gewesen. Stehe als Designer hinter deinem Design und begründe mit Leichtigkeit voll und ganz dafür, dann wirkt das Design stimmiger und der Leser fühlt sich abgeholt. In den zwei DIN-A4-Seiten, die man für die Dokumentation zur Verfügung hat, ist kein Platz für Unsicherheit und Negativität. Hier solltest du dich auf die geleistete Gestaltungsarbeit konzentrieren, ohne wenns und abers im Text. Auch wenn negative Formulierungen im Lesefluss insgesamt vielleicht gar nicht so schlimm wirken und auch gut oder normal klingen, können sie unterbewusste Zweifel und negative Emotionen beim Leser auslösen.

Beispiel: Die Farbe Rot war schwierig einzubauen, aber sie wurde als Eyecatcher genutzt und wirkt nicht zu aufdringlich.

Positiver formuliert: Die Farbe Rot dient als gezielt gesetzter Hingucker.

Einheitlich formulieren

Zu weiteren Kleinigkeiten, auf die man achten sollte, gehört zum Beispiel die konstante Einhaltung der Zeitform. Bei der Zeitform sollte man sich stets in der Gegenwart aufhalten. Auch die Erzählperspektive sollte einheitlich sein. Geschrieben werden sollte aus einer neutralen Erzählperspektive, also nicht aus der Ich-Perspektive.

Formulierungshilfen

Eine der größten Schwierigkeiten ist es wohl, die richtigen Worte zu finden. Nach Synonymen googeln kann hilfreich sein, aber ein wenig Inspiration kann nicht schaden. Deshalb sind hier (zusammengetragen aus meiner und anderen Dokumentationen) ein paar Stichworte, die dir bei der Formulierung helfen sollen, sobald dir die Wörter fehlen.

  • Positive Verben: hervorheben, unterstreichen, untermalen, (in Szene) setzen, symbolisieren, verdeutlichen, erzeugen, überzeugen, bilden, wirken, aufzeigen, erzielen, erwecken, verleihen, verkörpern, entsprechen, betonen
  • Unterstützende Adjektive: aktiv, klar, präsent, einladend, charakteristisch, harmonisch
  • Aussagekräftige Nomen: Key Visual, Fokussierung, Tiefe, Dynamik, Individualität, Atmosphäre

Layout / Gestaltung der Dokumentation

Der Text steht? Super! Jetzt muss er nur noch in Form gebracht werden. Und diese Form sollte im besten Fall nicht 210mm x 297mm betragen. DIN-A4 ist nämlich eigentlich ein total unästhetisches Format. Für meine Dokumentation habe ich ein individuelles Querformat gewählt und einen eigenen Satzspiegel dafür entwickelt. Das hat ein paar Stunden Zeit in Anspruch genommen, da ich jeden Entwurf ausgedruckt habe und selbst bei Schriftgröße und Abständen total kritisch war. Als ich den Text dann aber langsam in meine InDesign Musterseiten eingefügt habe, war ich total happy. Insgesamt bin ich am Ende übrigens auf stolze 32 Seiten gekommen. Es wirkt einfach gut, der Dokumentation Luft zu geben und den Text in verschiedene Themen aufzuteilen, damit auf den Seiten auch viel Platz für grafische Elemente ist. Bei so vielen Seiten darf ein Inhaltsverzeichnis natürlich auch nicht fehlen. Das gibt der Dokumentation eine Struktur und liefert einen Überblick über den Aufbau. Ich habe meine Dokumentation in InDesign aufgebaut. Gerade wenn die Seitenanzahl dann doch ein wenig höher wird und die Dokumentation dann im Endeffekt auch professionell gedruckt und gebunden werden soll, ist InDesign perfekt geeignet.

Mediengestalter Abschlussprüfung Dokumentation Layout

Bei der Gestaltung der Dokumentation muss man sich auch nicht verkünsteln – schließlich soll die Dokumentation nur eine Erklärung des eigentlichen Lösungsvorschlages darstellen. Vom Stil her darf man hier also ruhig neutral bleiben, damit man dem Lösungsvorschlag nicht die Show stiehlt. Ich habe mich dazu entschieden auf der rechten Seite stets zweispaltig den Text zu präsentieren und auf der linken Seite dann unterstützend zum Text grafische Elemente einzubauen. Apropos grafische Elemente: Nutze Mockups! Sie lassen jedes Design gleich um 100% hochwertiger aussehen. So kannst du zum Beispiel dein Screendesign in ein Bildschirm einfügen oder deinen erstellten Flyer wirklich plastisch wie einen gedruckten Flyer aussehen lassen. Es gibt verschiedene Seiten im Internet, wo man sich kostenlos ganz viele unterschiedliche Mockup Vorlagen (meist Photoshop Dateien) herunterladen kann, wo man sein fertiges Design nur "reinziehen" muss. Eine Liste davon findest du in meinem Blogartikel mit hilfreichen Links für Mediengestalter.

Bei dem Text sollte man, wie eigentlich immer, besonders darauf achten, dass er gut lesbar ist. Hier sollte man eine angenehme Zeilenlänge wählen. Ebenso wichtig sind ein ausreichend starker Kontrast von Schriftfarbe zu Hintergrundfarbe und eine angemessene Schriftgröße inklusive Zeilenabstand.

Mediengestalter Abschlussprüfung Dokumentation Farben

Der geschriebene Text sollte durch unterschiedliche Elemente unterstützt werden. So habe ich beim Thema Farbe die verwendeten Farben großflächig dargestellt und den Hexadezimal-Code platziert. Auch beim Thema Typografie kann man mit ein paar kleinen Tricks punkten. So bietet es sich für die Präsentation der genutzten Schriften an, einen Satz auszuwählen, der auch etwas mit dem Thema zu tun hat. "The quick brown fox" oder "Lorem ipsum" würden natürlich auch funktionieren, mit einem zum Thema passenden Text kann man die gewählte Schriftart konkret mit dem Inhalt verbinden und viel besser beurteilen.

Mediengestalter Abschlussprüfung Typografie

Wenn die Dokumentation fertig gestaltet ist, sollte man sich auch um den Druck kümmern. Im besten Fall könnt ihr das als Printler in dem Betrieb, in dem ihr die Ausbildung macht. Als Digitaler könnt ihr dafür vielleicht bei euren Klassenkameraden oder im örtlichen Copyshop nachfragen. Ich habe mir noch ein Exemplar für mich persönlich bestellt, das ich dann als Referenz auch immer vorlegen kann.

 

Du hast noch Fragen zur Dokumentation oder suchst nach einer Hilfestellung bezüglich Text und Layout?
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